Werksgespräche · Juli 2026

Autonomie und der schützende Block

Ein Bild-Dialog mit Katrin Hörner

Abstrakte Arbeit von Ekke Scholz: monolithischer Farbblock mit dunklen, tektonischen Linien auf hellem Grund.
Ekke Scholz
Abstrakte Arbeit von Katrin Hörner: dichte Farbwolke als schützender Block, darunter tastende, zögernde Linien.
Katrin Hörner

Ein intensiver visueller Dialog über das Suchen, Halten und Loslassen. Während beide Arbeiten ein leuchtendes Rot als existenziellen Anker nutzen, wählen sie völlig unterschiedliche energetische Pfade, um die Spannung zwischen Form und Raum zu navigieren.

Den Raum halten

Auf der linken Seite steht ein monolithischer Farbblock – fest und definiert, der seine Masse behauptet. Die dunklen Linien suchen keinen Schutz innerhalb dieser Wand; stattdessen beanspruchen sie ihren eigenen Raum und bilden ein tektonisches Gefüge, das der Leere selbstbewusst entgegentritt.

Die unruhige Suche

Im rechten Bild entfaltet sich eine bewegende Dynamik. Die dichte Wolke darüber wirkt wie ein schützender, verankernder Block, von dem aus sich die Linien in einem unruhigen, tastenden Rhythmus nach unten wagen. Es ist ein zartes Geflecht, das sich nach Befreiung sehnt und sich doch in zögernden Wellen zurückschlingt – immer in der Nähe seines sicheren Ursprungs, als sei die schützende Nabelschnur zum Block noch nicht bereit, durchtrennt zu werden.

Genau das macht für mich den Reiz solcher Bild-Dialoge aus: Zwei unabhängig voneinander entstandene Arbeiten, die denselben Anker teilen – das Rot – und doch eine völlig andere Antwort auf dieselbe Frage geben: Wie viel Schutz braucht Freiheit?

Mehr von Katrin findet ihr auf Instagram: @katrin.hoerner.