EKKE SCHOLZ

Mit ganzem Herzen zuhören

Ekke Scholz - Autor, Blogger, Coach

Toxischer Partner

Toxischer Partner

Verständnis ist der falsche Weg

Toxischer Partner. Schieß ihn auf den Mond.

Kennst du das? Du kommst bei deinem Partner überhaupt nicht durch? Alles, was du sagst, prallt ab. Kein offenes Ohr, keine Reaktion auf das, was du sagst. Aber trotzdem viele Widerworte, die so gut wie gar nichts mit dem zu tun haben, worüber du redest. 

Hast du einen solchen Partner, der kein bisschen zuhören kann? Einen toxischen Partner?

Fühlt es sich manchmal auch so an, als würdest du wie Dreck behandelt werden? Ohne Respekt, ohne Achtung – geschweige denn wertschätzend? Als würde der Mensch, für den du dich vor langer Zeit (Monate oder Jahre) entschieden hast, in einer anderen Welt leben oder von einem anderen Stern namens Toxikor kommen.

Zermürbt dich der tägliche Umgang mit deinem eitlen Partner, seiner Selbstgefälligkeit? Seinem Blick, der durch dich hindurch geht oder über dich hinweg. Nicht einmal, nicht zweimal. Sondern bei jedem Gespräch. Was ist toxisch, wenn nicht sein abfälliger Blick? Seine Missgunst, die aus seinen stechenden Augen spricht. Ein Narzisst, den du schon lange nicht mehr ‚Schatz‘ nennst.

Dein toxischer Partner lebt in seiner eigenen Welt, in der Selbstzweifel ein Fremdwort sind. In einer Welt voller Selbstbewunderung – während du vor die Hunde gehst, weil du inmitten seiner Welt lebst, die nicht deine Welt ist, sondern dein Gefängnis. Du bist ein Fremdkörper in seiner nicht nur angehaucht narzisstischen Welt. Eine Nummer. Nun heißt es handeln.

Kein Verständnis mehr für toxische Partner

Seine Überheblichkeit ertränkt jedes Bedürfnis nach emotionaler Nähe. Und vergrößert den Abstand, der gar nicht mehr größer werden kann in einer Beziehung. Du hast den Begriff toxisch aufgeschnappt und sofort für dich adaptiert. Ja, du hast einen toxischen Partner. Da passt es gut, wenn deine Freundinnen von deinem Partner als Narzissten reden. Und dir wird klar: eine gute Beziehung ist keine Frage einer guten Kinderstube oder von Bildung. Eine erfüllte Beziehung ist eine Herzensangelegenheit. Eine Frage von Herzflow. 

Pack es an. Fridays for you. Und all die anderen Wochentage auch.

Alle deine Versuche in der Vergangenheit, vergiftete Situationen zu harmonisieren, nutzt dein toxischer Partner nur, um dich weiter zu demütigen. Das kann er. Das kann er richtig gut. Demütigung ist sein zweiter Name. Sein dritter: Toximan.

Hinter verschlossener Tür schweigt er dich tagelang an, während du mit einem Glas Tee und einem kleinen Mürbeteig-Keks davor stehst und inständig bittest, dich reinzulassen. „Um mal miteinander zu reden“, rufst du. Aber nein, kein Ton kommt zurück. Oder vielleicht ein „Jetzt-Nicht“. Er kennt dein Harmoniebedürfnis und lässt dich genüsslich zappeln. Mit Genugtuung. Du spürst: du bist schuld. „Wofür“, fragst du piepsig, und er: „Na, denk doch mal nach!“

Lebst du in einem Beziehungskoma?

Das ist normal, denkst du, wer hat denn keinen Toximan daheim rumsitzen? Eine vorübergehende Schieflage, ja Gott noch, das gehört doch zu jeder Beziehung dazu. 

HALLO, GEHT’S NOCH? Lebst du in einem Beziehungskoma?

Andere sind längst ausgebrochen und haben ihren toxischen Partner auf den Mond geschossen. Aber du hast Verständnis für die Situation!? Super! 

Gern frage ich noch einmal nach: Geht’s noch?

Verständnis als Beruhigungspille

Früher kam „toxisches Verhalten“ in den besten Familien vor, war halt namenlos. Auch in meiner Herkunftsfamilie kam’s vor, auch bei mir selbst. Ich weiß, worüber ich rede. Und zum Glück rede ich mittlerweile über etwas, was bereits hinter mir liegt. Heute quäle ich keinen mehr mit Schweigen. 

Mit dem Begriff vom „toxischen Partner“, der mittlerweile die heiligen Hallen der Therapeutenbibliotheken verlassen hat und in den Niederungen von populärwissenschaftlichen Magazinen angekommen ist, hat man einen Ausdruck gefunden, der ein übergriffiges respektloses Verhalten als das kennzeichnet, was es für andere Menschen ist: hochgiftig.

Mit diesem Begriff im Gepäck lässt man seinen arroganten Partner nicht mehr davonkommen. Hochnäsigkeit ade. Die Zeiten des Verständnis-Habens sind vorbei. Jahrelang hast du geglaubt, deinen Partner zu verstehen, warum er so ist wie er ist. Aber wenn du ehrlich zu dir selbst bist, merkst du sofort, dass du dir etwas vorgemacht hast: Dein Verständnis und dein Verstehen sind nichts weiter als eine Beruhigungspille – für dich! Narkotika – für dich! Und nicht für deinen toxischen Partner, der es dringend bräuchte. In deinem Interesse.

Verständnis für den toxischen Partner und Selbstablehnung sind wie Brandbeschleuniger Richtung narzisstischer Beziehung. Dazu kommt: Je größer die Ablehnung von dir selbst ist, desto mehr wächst dein Verständnis für den toxischen Partner. Wieviel Selbstverleugnung braucht es, um dich aus der narzisstischen Beziehung zu befreien?

Dein toxischer Partner – ein Kotzbrocken

Doch wer ist jetzt wirklich toxisch? Dein toxischer Partner oder bist du es vielleicht selbst? Ist es nicht vielleicht deine Rücksicht, dein Kleinbeigeben, dein ständiges Verstehen selbst völlig absurden Verhaltens. Das Duckmäusern, um keinen Unfrieden und Zorn zu provozieren: ist das nicht vielleicht auch toxisch?

In den meisten Beziehungen herrscht ein hierarchisches Ungleichgewicht, wie es der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick postuliert hat. Ein Machtgefälle. In einer narzisstischen Beziehung ist dieses Machtgefälle extrem. Einer schaut von weit oben auf den Partner weit unten herab. 

Bist du es, die aufschauen muss? Bist du es, die zappeln lässt, oder diejenige, die zappelt? Soll das ewig so weitergehen? Wann willst du das ändern?

Ok, ok, ich will dich nicht bedrängen. Es ist ja dein Leben.

Lebst du mit einem Partner zusammen, der sich verschließt und keinen anderen an sich ran lässt, am wenigsten dich, weil er so seine Macht ausüben kann! Du versuchst diese „Verschlusssache“ Peter oder Herbert oder Kevin zu knacken und aufzubrechen mit dem ganz ganz starken Motiv: „Aber ich liebe ihn doch!“

Aber die Sache mit der Liebe ist längst vorbei. Selbst die Erinnerung an die guten alten Tage verblasst angesichts der Schandtaten und Kränkungen und Verletzungen. Auf dem rot-weißen Absperrband um eure Mißbrauchs-Beziehung steht nicht „Polizeiabsperrung“, sondern „Achtung: toxisch!“

Wenn man die Temperatur eurer Beziehung messen würde, würde man Unterkühlung diagnostizieren. Fehlende Empathie auf der ganzen Strecke. 

Wenn deinem toxischen Partner wieder einmal etwas an dir missfällt und er dich rüde zurechtweist, dich belehrt und ein „normales“ Verhalten von dir fordert: „Die anderen können es doch auch!?“ – was soll frau dann sagen? Ein Kotzbrocken?

Es gibt kein Glück mit einem toxischen Partner

Du fragst dich, wie man nur so narzisstisch und selbstgefällig wie dein Partner sein kann. Aber es gibt keine Antwort. Ihn zu fragen traust du dich nicht. Du willst nicht dafür verantwortlich sein, dass der Haussegen wieder schief hängt. Und ich sag dir, fass dich nicht an die eigene Nase , sondern zieh dich am eigenen Schopf aus der Kacke, die dir bis zum Hals steht. So fängt Selbstachtung an, die du irgendwann an den Nagel gehängt hast.

Es gibt erfüllte Beziehungen, und es gibt toxische Beziehungen. In einer solchen lebst du. Gerne würdest du hinüberwechseln in eine erfüllte Beziehung, am liebsten mit einem Zauberstab, der alles schwuppdiwupp ändert. Aber Feen sind längst ausgestorben. Leider. Zumindest für dich.

Betrachten. Bedenken. Bewegen.

Deine Überzeugungen und Gedanken darüber, wie Partnerschaft geht und wie sich dein Partner in einer Beziehung verhalten sollte, halten uns in einer Beziehung fest. Aber was genau sind Glaubenssätze?

Andere Menschen haben mehr Glück als du, glaubst du, aber es ist kein zufälliges Glück, sondern gemachtes Glück. Andere Menschen hatten auch einmal einen toxischen Partner – bis zum Cut, den sie gemacht haben. Sie waren nicht länger bereit, eine narzisstische Beziehung in Kauf zu nehmen, ihren toxischen Partner zu hofieren und sich selbst zu erniedrigen. Worauf wartest du noch?

Befreiung braucht Zeit

Sie haben sich irgendwann einmal über ihre Glaubenssätze hinweggesetzt wie zum Beispiel, dass sie ohne einen Partner vereinsamen würden. Jeder Tag, den du nicht bereit bist für dein glückliches Leben zu kämpfen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du recht haben wirst.

Je früher du dem toxischen Partner, der euer Wohnzimmer zum Übungsplatz für Besserwisserei und Vorwürfe erklärt hat, je früher du die Beziehung mit diesem toxischen Typen beendest, desto mehr Chancen bekommst du, das Leben wieder aufs Glück auszurichten.

Aber Vereinsamung ist ja keine Frage des Alleinseins, sondern der fehlenden emotionalen Nähe. Bist du nicht schon längst vereinsamt neben deinem Partner? Kannst du überhaupt noch schlimmer vereinsamen als du schon bist? Höchste Zeit, das zu ändern.

Andere Menschen, die sich von ihrem toxischen Partner befreit haben, haben sich vielleicht auch über den Glaubenssatz hinweggesetzt, dass es eine Schande sei, sich zu trennen. Sie haben vielleicht auch das Versprechen gebrochen, in guten und schlechten Zeiten mit dem Partner zusammenzubleiben. Aber eine narzisstische Beziehung mit einem toxischen Partner ist keine schlechte Zeit im Sinne sich verändernder Bedingungen. Eine toxische Beziehung ist einfach Scheiße, in der man bis zum Hals drinsteckt. Wer da an seinem einmal gegebenen Versprechen festhält, hält auch an seinem Unglück fest und fragt vielleicht ganz theatralisch: „Warum ich?“ Meine Antwort: „Weil du nichts unternommen hast, das zu ändern!“

Das Aushalten emotionaler Vernachlässigung bedeutet nicht, beziehungsfähig zu sein.

Überhaupt, hast du es nicht satt, dass dieser narzisstischen Typ, der so selbstgefällig im Wohnzimmersessel fläzt, immer wieder für dich Entscheidungen trifft? Willst du weiterhin dein Leben anderen überlassen und nicht endlich selbst entscheiden? Selbstwirksam werden, wie es so schön im Coaching-Deutsch heißt? 

Stell dich endlich deiner Angst und dem Irrglauben, nicht beziehungsfähig zu sein, und mach dir nicht länger vor, dass das Aushalten von emotionaler Vernachlässigung Beziehungsfähigkeit bedeutet.

Bleibe nicht länger Anhängsel. Kämpf dich aus dem Kohlekeller frei und hoch, strampel nicht länger auf dem Treibsand deines toxischen Partners – es wird nur schlimmer. Fang noch heute an. Rom ist nicht in sieben Tagen erbaut worden, und auch du wirst nicht von heute auf morgen deine innere Freiheit wiedergewonnen haben. Entwicklung braucht Zeit.

Werde unberechenbar für deinen toxischen Partner

Unter was leidest du mehr? Unter der Impulsivität deines Partners, der kein anderes Verhalten duldet als Gehorsamkeit, als wäre er im letzten Jahrhundert hängengeblieben? Der wie eine Krake an deinem Hals festsitzt und dir die Kehle zuschnürt?

Oder sind es die Entscheidungen, die Rechtfertigungen und die Erklärungen – diese massive Abrissbirne von Überzeugungen, der du nichts entgegensetzen kannst. Noch einmal: Worunter leidest du mehr?

Was setzt du der Impulsivität deines Partners entgegen? Ist es vielleicht Verlässlichkeit – Zuverlässigkeit? Getragen von der Hoffnung, dass er durch deine Zuverlässigkeit vernünftig wird? Dass er weniger cholerisch reagiert?

Dann aber musst du wissen, das gerade deine Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit dich berechenbar machen. Und das nutzt dein Partner dein toxischer Partner aus. Ein Weg aus der Manipulierbarkeit ist Unberechenbarkeit. Höchste Zeit, in dein neues Leben aufzubrechen. Werde wie das Leben. Werde unberechenbar.

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