Um diese Unterscheidung zwischen Tatsachen und Bedeutung geht es bei vielen Achtsamkeits-Übungen. Stets steht die Frage im Raum: Was ist tatsächlich wahr und was denke ich in die Situation hinein?
Auf den Partner übertragen heißt es: Wer ist er wirklich, was tut er wirklich und was deute ich in ihn hinein?
Zunächst einmal ist unser Partner nur ein Mensch. Mann oder Frau. Ein Mensch, der morgens aufsteht, ins Bad geht, sich wäscht, durch die Wohnung läuft, am Tisch sitzt, frühstückt, sich den Mund abwischt und anschließend das Haus verlässt.
So übrigens sehen uns unsere Haustiere: Menschen, die durch die Wohnung laufen, am Tisch sitzen, auf der Coach liegen …
Ich nehme an, dass falls du beim Lesen an deinen Partner gedacht hast, mehr gesehen hast als nur die sachliche Seite der Aufzählung. Jeder von uns macht aus den Menschen und den Situationen um sich herum mehr als tatsächlich vorhanden ist. Selbst beim Lesen schweift unser Geist in den Alltag ab.
Bist du nicht auch immer wieder mit Gedanken woanders, während du den Artikel liest? Hast du nicht auch, während ich allgemein von Partner gesprochen haben, an deinen gedacht und an bestimmte Situationen, von denen ich nicht gesprochen habe? Es fällt uns sehr schwer, konzentriert bei der Sache zu bleiben …
Wir sehen nicht nur einen Menschen, der morgens neben uns aufsteht, sondern erleben, wie schwer unserem Partner das Aufstehen fällt, weil er wieder einmal viel zu lange wachgeblieben ist. Wir sehen keinen Menschen, der im Bad einfach vor dem Spiegel steht, sondern ärgern uns über den Lahmarsch, weil das Bad viel zu lange besetzt bleibt und wir in Zeitnot kommen. Jeden Morgen.